Als täglicher Nutzer der Passage am Rotebühlplatz fällt mir der zunehmende Verfall dieses öffentlichen Raums auf. Bereits in einem Artikel der StN vor über zehn Jahren finden sich zahllose Missstände beschrieben, die nach wie vor unverändert gelten: Zu jeder Tages- und Nachtzeit findet man hier mehr oder weniger offenen Drogenkonsum, Gruppen alkoholisierter Personen und Obdachlose, die sich dauerhaft eingerichtet haben. Dazu kommt der optische Eindruck der Passage - fehlende Deckenteile, in denen Tauben nisten, verlassene und verfallende Ladenflächen, versiffte Ecken und die deutlich in die Jahre gekommene Ausstattung.
Die Passage entwickelt sich immer mehr zu einem Un-Ort, den man meidet oder möglichst schnell durchquert. Auch als Mann fühle ich mich hier oft nicht sicher. Mehrfach bin ich auf dem Weg durch die Passage in der letzten Zeit von Betrunkenen angegangen worden - wie sich Frauen, die hier alleine unterwegs sind, an diesem Ort fühlen, mag ich mir gar nicht vorstellen. Mir geht es nicht darum, Menschen in Not aus dem Stadtbild zu verdrängen. Dennoch darf ein zentraler Ort wie dieser nicht einfach sich selbst überlassen werden.
Ich sehe die Stadt hier in der Verantwortung, einen sicheren und einladenden Raum für Bürger und Besucher zu schaffen. Die Haltestelle Stadtmitte/Rotebühlplatz ist ein zentraler Knotenpunkt des ÖPNV und sollte als Visitenkarte Stuttgarts dienen. Ich schlage vor, ein umfassendes Konzept zur Aufwertung der Passage zu entwickeln: Dazu gehören ein an die langfristigen Möglichkeiten von Polizei und Ordnungskräften angepasstes Sicherheitskonzept und ein architektonisches Konzept zur optischen Aufwertung, etwa durch moderne Beleuchtung und neue Gestaltungselemente.
Die zahlreichen renommierten Architektur- und Stadtplanerbüros in Stuttgart könnten dabei helfen, die Passage in einen einladenden, sicheren Raum verwandeln. Projekte in anderen Städten zeigen, dass dies möglich ist. Warum also nicht auch in unserer schönen Stadt?
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